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Hebammenmangel – ein reales Problem und was du tun kannst!

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Die Geburt eines Kindes ist etwas ganz Besonderes und sollte für alle Beteiligten eine bereichernde Erfahrung sein. Doch in Deutschland gibt es immer weniger Hebammen und das ist ein reales Problem für Frauen in ihrer Schwangerschaft und danach, denn werdende Mütter profitieren vor, während den Geburten und danach maßgeblich von der Arbeit einer Hebamme. Doch für viele werdenden Mütter beginnt die Achterbahnfahrt bereits mit der Suche nach einer Hebamme – denn diese ist oft nicht einfach!

Inhaltsverzeichnis

Hebammenmangel – der Ernst der Lage

Der Hebammenmangel ist ein reales Problem, das viele Frauen in Deutschland betrifft. In vielen Regionen ist es schwierig bis unmöglich, eine Hebamme zu finden, obwohl jede Frau in ihrer Schwangerschaft Anspruch auf eine Hebamme hat. Das ist eine große Sorge für werdende Mütter, die sich fragen, wie sie ihre Schwangerschaft und das Wochenbett ohne Hebamme und entsprechende Betreuung bewältigen sollen.

Die Ursachen für den Hebammennotstand in der Geburtshilfe sind vielfältig. Zum einen gibt es zu wenige Hebammen, die ausgebildet werden, trotz dass die Anzahl der Hebammen und Entbindungspfleger in Deutschland stetig steigt.

Statistik: Anzahl der Hebammen und Entbindungspfleger in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2020 (in 1.000) | Statista
Quelle: Statista (*1)

Zum anderen scheinen viele Hebammen das Berufsleben frühzeitig aufzugeben oder zu reduzieren. Dies liegt unter anderem an den herausfordernden Arbeitsbedingungen und dem eher niedrigen Lohn. Viele Hebammen sind daher frustriert und verlassen den Beruf, bevor sie richtig angefangen haben. Viele Hebammen reduzieren ihre Arbeitszeit aufgrund der hohen Belastung. Sehr viele Hebammen arbeiten in Teilzeit, falls du dich für mehr solcher Fakten interessierst, kannst du hier weiterlesen (Quelle: *2).

Zudem ist der Beruf der Hebamme schwer mit einer eigenen Familie zu vereinbaren, ist die Hebamme selbst beispielsweise eine Mutter. Hebammen müssen oft unvorhergesehen zum Dienst; die Arbeit nachts, am Wochenende und an Feiertagen ist die Regel. Erfahre mehr zur Überlastung im Hebammenalltag (Quelle: *3).

Der Hebammenmangel in der Geburtshilfe hat aber auch Folgen für die Gesundheit der werdenden Mütter und ihrer Kinder. So kann es zu Komplikationen während der Geburt kommen, wenn durch weniges Personal im Kreißsaal keine qualifizierte Hebamme zur Stelle ist. Auch die Nachsorge für die Frauen nach der Geburt leidet unter dem Mangel an Hebammen. Viele Frauen müssen daher lange auf einen Termin bei einer Hebamme warten oder erhalten gar keine Nachsorge. Sowohl die Mutter als auch das Kind können stark darunter leiden.

Wenn du in einer Region wohnst, in der es schwierig ist, eine Hebamme zu finden, solltest du dich frühzeitig um eine Hebamme kümmern. Denn jede Frau hat in ihrer Schwangerschaft Anspruch auf eine Betreuung durch eine Hebamme. Suche im Internet nach Hebammenpraxen in deiner Nähe und melde dich dort telefonisch oder per Mail. Auch Ärzte und Krankenhäuser können dir weiterhelfen. Informiere dich rechtzeitig über die Möglichkeiten der Geburtshilfe in deiner Region und plane deine Geburt entsprechend. Lies hier nach, ab wann du die Suche nach einer Hebamme aufnehmen solltest.

Ursachen des Hebammenmangels

Die Gründe für den Hebammenmangel sind vielfältig. Zum einen gibt es die Problematik der freiberuflichen Hebammen. Durch eine hohe Nachfrage ist die Belastung dieser sehr groß, die Arbeitszeiten und der -druck sind problematisch und die Bezahlung geringfügig.

Ein weiterer Grund für den Hebammennotstand ist die Unterfinanzierung von Hebammenpraxen. In Deutschland werden Hebammen zwar von den Krankenkassen bezahlt, allerdings nur sehr geringfügig. Die meisten Hebammen müssen daher auf privates Einkommen zurückgreifen, um ihre Praxis am Laufen zu halten. Dies ist jedoch oft nicht ausreichend, um alle Kosten zu decken, sodass viele Hebammen in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Auch die Arbeitssituation in Krankenhäusern ist durch den Personalschlüssel, der die 1:1-Betreuung, also die dauerhafte Betreuung einer Frau unter der Geburt, nicht möglich macht, sehr belastend. Hinzu kommt die allgemeine Arbeitsbelastung durch den Schichtdienst. Somit sind auch hier die meisten Hebammen auf Teilzeit umgestellt.

Ein weiterer Grund für den Hebammennotstand ist der hohe Arbeitsdruck in der Branche. Hebammen sind rund um die Uhr für ihre Patientinnen verfügbar und müssen daher häufig Überstunden machen. Dies kann zu einem hohen Stresslevel führen und viele Hebammen entscheiden sich daher, frühzeitig in den Ruhestand zu gehen, Teilzeit zu arbeiten oder ganz aus dem Beruf auszusteigen (Weitere Zahlen, Daten und Fakten: Hebammenmangel, Quelle: *4).

Auch die Ausbildung von neuen Hebammen trägt zum Problem bei. In Deutschland gibt es nur sehr wenige Hebammenschulen und daher ist die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sehr hoch. Abhilfe soll das 2020 in Kraft getretene Hebammengesetz schaffen, was die Akademisierung des Berufs der Hebamme zum Ziel hat. Damit wird ein akademisches Niveau des Berufs erreicht und damit die Attraktivität für die Arbeit in der Geburtshilfe gesteigert. Erste Bachelor-Studiengänge wurden in Baden-Württemberg bereits im Wintersemester 2021 / 22 eingerichtet. Mehr dazu, kannst du hier lesen (Quelle: *5).

Zwei Hände ineinander verschlungen von Mann und Frau

Was du tun kannst

Der Hebammennotstand ist ein ernstes Problem, das die Gesundheit und das Wohlergehen einer Mutter und ihrem Kind gefährden kann. Es gibt jedoch einige Dinge, die du tun kannst, um sicherzustellen, dass du und dein Kind die bestmögliche Pflege und Betreuung erhalten.

Zunächst solltest du dich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin in Verbindung setzen und sicherstellen, dass sie über den aktuellen Stand der Dinge informiert sind und dir die Betreuung durch eine Hebamme fehlt. Wenn du eine Hochrisikoschwangerschaft hast oder bei der Geburt Komplikationen erwartest, solltest du möglicherweise in Erwägung ziehen, in ein Krankenhaus zu gehen, welches zusätzlich über eine Neugeborenenintensivstation verfügt. Spreche hierzu unbedingt mit deiner betreuenden Frauenärztin oder Frauenarzt. Die Sicherheit deines Kindes sollte immer an erster Stelle stehen. Grundsätzlich gilt jedoch: Es ist nie zu spät noch eine Hebamme zu suchen! Durch die verschiedensten Gründe können Kapazität bei einer Hebamme gelegentlich wieder frei werden.

Du kannst auch versuchen, Hebammen in deiner Nähe über Hebammenlisten, deren Webseiten oder andere Online-Plattformen zu finden. Auch wenn es schwierig sein kann, jemanden zu finden, der bereit ist, dich und dein Kind zu betreuen, ist es wichtig, nicht aufzugeben. Schaue auch in deiner lokalen Stadt oder Gemeinde nach, ob es Hebammensprechstunden gibt oder ein Hebammenberatungstelefon. In Karlsruhe gibt es zum Beispiel die Hebammennotfallsprechstunde (Quelle: *6).

Viele Hebammen bieten auch virtuelle Beratungs- und Unterstützungssitzungen an was bedeutet, dass du immer noch Zugang zu wertvollen Informationen und Rat hast, selbst wenn sie nicht persönlich bei dir sein können. Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen solchen Service.

Tipp

Um auf den Hebammenmangel aufmerksam zu machen, meldet euch mit euren Herausforderungen, eine Hebamme zu finden, bei euren Krankenkassen. Je mehr Stimmen erhoben werden, desto mehr Gehör findet das Thema und gelangt in die Politik, wo es auch hingehört.

Fazit

Es ist wichtig zu beachten, dass der Hebammenmangel kein neues Problem ist. In den letzten Jahren haben immer mehr Hebammen ihren Job aufgegeben oder sind in den Ruhestand getreten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine Lösungen gibt. Setze dich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt in Verbindung, connecte dich mit anderen Frauen und werdenden Müttern, die in ähnlichen Situationen sind wie du, nutze digitale Hebammenservices und gib zu guter Letzt die Suche nach einer Hebamme für dich nicht auf, denn du hast einen Anspruch auf eine solche. Geburten sind im Leben einer Frau und werdenden Mutter ein enorm wichtiges Ereignis. Du verdienst eine solide Betreuung für dich und dein Kind.

Weitere Infos zum Hebammenmangel gibt es hier:

https://www.unsere-hebammen.de

Bitte meldet dem Verband, wenn ihr trotz aller Bemühen keine Hebamme gefunden habt:

https://www.unsere-hebammen.de/aktionen/unterversorgung-melden/

awd

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